Workshops

Workshopphase:

Tschüss Auto – Mobilität für alle!

Mobilität ist ein Grundbedürfnis der Menschen, sie ermöglicht uns, unsere Freund*innen und Familie in anderen Städten zu besuchen und die Welt zu entdecken. Das moderne Transportsystem ist tief verankert in Lebensentwürfen, Freiheitsvorstellungen und unserem (Welt-)Wirtschaftssystem – und es fußt auf der Illusion unendlicher, kostenloser (fossiler) Energie.

Während die Erfindung der Eisenbahn zu einem kollektiver, öffentlicher Mobilität führte, liegt der Fokus der Verkehrspolitik seit dem „Wirtschaftswunder“ auf der Förderung individuellen motorisierten Verkehrs (MIV). Zufuß Gehende & Radfahrende kommen in der autogerechten Stadt nicht vor, Platz gibt es für den Privat-PKW. Dabei sind Autos sind gefährlich, laut und stinken. Auf dem Land werden wertvolle Flächen zubetoniert.

18 % des CO2-Ausstoßes – Tendenz steigend – gehen in Deutschland auf Kosten des Verkehrs. Kein Sektor steht schlechter dar in Deutschland: Zwischenzeitliche Rückgänge sind durch mehr Reisen, mehr Güter und immer größere Autos längst wieder aufgezehrt.

Wir wollen im Seminar der Frage nach gehen, wie wir unser Leben und unser Wirtschaften losreißen können von 2 Tonnen Blech und Benzin. Hat das Auto in der Mobilität der Zukunft überhaupt noch einen Platz? Wie sieht eine gendergerechte Mobilität aus, die Menschen jeden Alters offen steht? Wie organisieren wir den Warenverkehr? Mit welchen kreativen Aktionsformen könnt ihr euch öffentlichen Raum in der Stadt zurückerobern?

Referent:
Thomas v. Sarnowski, Wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Dieter Janecek MdB und Referent für den Radentscheid München

Grüne Braune

Umweltschutz ist nicht per se links, sondern hat braune Wurzeln und Kontinuitäten. Pioniere waren die Lebensreformer und Heimatschützer im Kaiserreich. Später bepflanzten sie die Seitenstreifen von Hitlers Autobahnen mit heimischen Gewächsen, entwarfen Landschaftspläne zur Germanisierung von Lebensraum im Osten oder testeten die biodynamische Landwirtschaft in Konzentrationslagern.

Die AfD präsentiert sich heute dezidiert antiökologisch, während die Neue Rechte eine vermeintliche linke Deutungshoheit in der Umweltfrage brechen will. Neofaschistische Ideologen nutzen das Thema, um antisemitische und rassistische Vorstellungen zu verbreiten und Anhänger zu gewinnen. So behauptet Alain de Benoist, die jüdisch-christliche Religion habe die naturverbundenen heidnischen Religionen verdrängt und sei schuld an der Umweltzerstörung. Die FPÖ präsentiert sich als nationale Umwelt- und Heimatschutzpartei, die NPD agitiert gegen Gentechnik und Atomkraft, weil sie deutsches Erbgut schädigen, Neonazis siedeln in Randlagen als Biobauern.

Anknüpfen können sie im Mainstream, bei Umweltschützern und Globalisierungskritikern, an die neue Heimatliebe, die Vielfalt der Kulturen, die bewahrt werden sollen, als handele es sich um verschiedene Tier- und Pflanzenarten, oder die Vorstel-lung, die Erde sei überbevölkert. Für Tiefenökologen und Biozentristen ist der Mensch ohnehin eine Plage, das Krebsgeschwür der Erde.

Der Workshop bietet einen Überblick über aktuelle Aktivitäten und Positionen der Rechten im Umweltbereich sowie einen historischen Rückblick. Außerdem werden ideologische Schnittstellen behandelt, die die Rechte nutzen kann.

Peter Bierl ist freier Journalist, Mitglied der Gewerkschaft Verdi und lebt mit seiner Familie in der Nähe von München. Zuletzt sind von ihm erschienen „Einmaleins der Kapitalismuskritik“ (Unrast-Verlag 2018) und „Grüne Braune: Umwelt-, Tier- und Heimatschutz von rechts“ (Unrast-Verlag 2014).