Workshops beim Online-Kongress

WORKSHOPPHASE 11:00-12:30

Extremismustheorie – eine kritische Beleuchtung

Es gibt wohl kaum eine so umstrittene Theorie, die gleichzeitig so erfolgreich als Grundlage staatlichen Handelns implementiert wurde, wie die Extremismustheorie. Sie ist die Grundlage der Arbeit des Verfassungsschutzes und prägt maßgeblich das Bild vom Extremisten, von links und rechts, der die demokratische Grundordnung angreife. Die damit erfolgende Gleichsetzung von links und rechts sieht die gesellschaftliche „Mitte“ als von „den Rändern“ bedroht. Im Workshop sollen anhand von Beispielen und kurzen Inputs eine Kritik der Extremismustheorie und ihrer Annahmen erarbeitet werden. Im Mittelpunkt steht dabei das verzerrte Bild von Gesellschaft und Politik, das mit der Extremismustheorie einhergeht. Eigene Vorstellungen und Fragen können und sollen eingebracht werden.

Daniel Keil derzeit als Lehrbeauftragter an der Frankfurt University of Applied Sciences und der EH Darmstadt tätig. Er studierte Gesellschaftswissenschaften in Frankfurt und promovierte mit einer Arbeit über eine staatstheoretische Perspektive auf den Wandel nationaler Identität in der europäischen Integration. Arbeitet derzeit zur politischen Krise der EU und (neu)rechten Akteur*innen und völkischem Nationalismus. Weitere Arbeitsgebiete: materialistische/kritische Theorie, Theorie und Kritik nationaler Identität, Staatstheorie.

Antifeminismus in der Rechten Szene

Feindbild Feminismus: Vortrag mit Judith Goetz

Antifeministische Forderungen und Diskurse gehören untrennbar zur Politik der extremen Rechten. Die antifeministische Konstruktion ,natürlicher‘ Zweigeschlechtlichkeit, eine damit verknüpfte hierarchische Geschlechterordnung sowie die vermeintliche Natürlichkeit von Heterosexualität und biologischer Fortpflanzung sind Kernbestandteile extrem rechter Ideologiebildung. Gleichzeitig sind solche Vorstellungen von Geschlecht und Sexualität anschlussfähig an die Gesamtgesellschaft. Entsprechende Deutungen und Feindbilder begegnen uns ebenso in gesellschaftlichen Debatten rund um die Themen Gender, Geschlechterforschung und Gleichstellungspolitik. Die Feindbilder Feminismus und Gender als Symbol gesellschaftlichen Wandels kommt darüber hinaus eine Scharnierfunktion zwischen der extremen Rechten und der ‘Mitte der Gesellschaft’ zu. Ausgehend von konkreten Beispielen werden im Vortrag aktuelle Politiken gegen Feminismus, (dekonstruktivistische) Gender-Theorien und Gleichstellungspolitiken in den Blick genommen. Nicht zuletzt wird auch der Begriff Antifeminismus präzise erfasst und sein Verhältnis zum inzwischen weit verbreiteten Term ,Antigenderismus‘ kritisch diskutiert.

Die Referentin Judith Goetz ist Literatur- und Politikwissenschafterin, Mitglied der Forschungsgruppe Ideologien und Politiken der Ungleichheit sowie des Forschungsnetzwerks Frauen und Rechtsextremismus. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen bei Rechtsextremismus und Frauen*/Gender sowie Antifeminismus. Zuletzt erschienen die von ihr mit herausgegebenen Sammlbände „Untergangster des Abendlandes. Ideologie und Rezeption der rechtsextremen ’Identitären’“ (2017) und „Rechtsextremismus: Band 3: Geschlechterreflektierte Perspektiven“ (2019) und hat als Teil der Autor*innenkollektivs Fe.In am Buch „Frauen*rechte und Frauen*hass. Antifeminismus und die Ethnisierung von Gewalt“ mitgeschrieben.

Sprache der Rechten im Netz

Die Sprache im Netz wird rauer, organisierte Shitstorms und strategische Angriffe nehmen zu. Besonders rechte Netzwerke treiben sich im Internet herum und versuchen dort das Klima, maßgeblich zu beeinflussen.  In diesem Workshop soll sich diesem Thema angenähert werden: Wie gestaltet sich die Sprache der Rechten im Netz? Wie ist ihr Auftreten? Warum gibt es Trolle und was sind Maßnahmen gegen den Hass im Netz?

Dinah Wiestler, Soziologin. Arbeitet u.a. bei der Amadeu-Antonio-Stiftung.

Corona-Verschwörungstheorien: Gefahr für Gesundheit und Demokratie 

Während der Corona-Pandemie erfreuen sich Verschwörungstheorien großer Beliebtheit. Auch wenn das Phänomen neu erscheint, zeigt der Blick in die Geschichte, dass Zeiten der Verunsicherung seit jeher die Bereitschaft der Menschen, an Verschwörungen zu glauben, erhöht. Auch einige uralte Elemente, etwa die Angst vor Jüdinnen und Juden, Geheimgesellschaften oder dem Sozialismus, tauchen über die Jahrhunderte hinweg immer wieder auf. 

So ist es nicht verwunderlich, dass auch die Verschwörungstheorien zur Coronakrise mit altbekannten Bedrohungsszenarien sowie antisemitisch gefärbten Feindbildern arbeiten und somit zu einer ernsthaften Bedrohung sowohl für die Gesundheit als auch die Demokratie werden. 

Zusammen mit der Politikwissenschaftlerin und Expertin für Verschwörungstheorien Marlene Schönberger werden wir in diesem Webinar den Ursprung sowie die gefährlichen Wirkungen von Verschwörungstheorien ergründen sowie politische Gegenmaßnahmen diskutieren.

Marlene Schönberger, Politologin. Arbeitet am Geschwister-Scholl-Institut der LMU München und forscht im Bereich Populismus und Verschwörungstheorien

WORKSHOPPHASE 15:30-17:00

Workshops zum kritischen Umgang mit der Extremismus-Theorie

Am 05. Februar 2020 erschütterte ein politischer Skandal Deutschland, der auch international für Aufsehen sorgte und zu einer Regierungskrise führte. Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik wurde mit der Wahl von Thomas Kemmerich (FDP) ein Ministerpräsident mit Stimmen, der in Teilen rechtsextremen AfD gewählt. Kemmerich ist zwar nach politischem Druck am 08. Februar zurückgetreten, aber der Dammbruch war geschehen. Entscheidend für diese Entwicklung war dabei ein Unvereinbarkeitsbeschluss, der es der CDU verbietet mit der AfD und der Linkspartei zusammenzuarbeiten. Doch sind diese Parteien politisch einfach gleichzusetzen? In dem Workshop werden wir uns anhand von diesem und anderen Beispielen kritisch mit der dahinterstehenden Extremismus-Theorie auseinandersetzten. Dabei analysieren wir deren theoretische Begründung, ihre Schwachstellen und politische Auswirkungen, zeigen aber auch theoretische Alternativen zur Extremismus-Theorie auf.

Dr. Robert Philippsberg ist Associate Researcher am Centrum für angewandte Politikforschung (C·A·P) in München und Autor mehrerer Publikationen über den politischen Rechtsextremismus – und populismus.

Von »Scheiß Rassisten« und »Ökonomisch Abgehängten«

Die Diskussion der Linken zum Anstieg des rechtsextremen Potentials in den letzten Jahren verläuft oft so: „Die Leute wählen nur Rassisten, weil die Demokraten ihre Sorgen nicht ernst nehmen.“ „Nein!“, heißt es dann, „die Menschen wählen Rassisten, weil sie rassistisch sind“ kommt einem dann entgegen. Zweifellos war die Zustimmung zu rassistische Aussagen historisch konstanter, als ihr Ausdruck in der Wahl rechter Parteien. Warum wählen also Menschen nun rechtsextreme Parteien? Welche Konsequenzen folgen daraus für linke Politik? Welche Strategien, Inhalte und Praxen müssen wir entwickeln, wenn wir der rechten Gewalt emanzipatorische Perspektiven entgegensetzen wollen?

Tobias Schweiger ist ehem. Bundessprecher der Jungen Linken in Österreich, studiert Sozioökonomie sowie Internationale Entwicklung in Wien und ist in der Prozessbegleitung und politischen Jugend- und Erwachsenenbildung tätig.

Rechte im Staatsapparat

Rassistische Morddrohungen aus einem Frankfurter Polizeipräsidium an eine Rechtsanwältin, unterschrieben mit NSU 2.0; Chat-Gruppen von Polizist*innen, die nationalsozialistische und antisemitische Bilder und Textnachrichten verschicken und jüngst die Vorwürfe gegen das KSK der Bundeswehr, welches seit Jahren ein starkes Problem mit Rechtsextremen in den eigenen Reihen hat. Alles Einzelfälle? Sicher nicht!  Rechtsextreme in staatlichen Strukturen sind weder Einzelfälle, noch ein neues Phänomen. Die Gefahr von Rechten in Polizei, Bundeswehr & Co. bedeuten Gefahr für die Demokratie  und wird oftmals unterschätzt. Jegliche Kritik an den momentanen Zuständen wird abgewehrt – dabei ist eine konstruktive Kritik an staatliche Institutionen wichtig und richtig, insbesondere wenn diese das staatliche Gewaltmonopol besitzen. Wie ist aber überhaupt die derzeitige Lage? Wie groß die Gefahr von Rechtsextremen im Staatsdienst? Und was können politische Maßnahmen sein.

Madeleine Henfling ist seit 2014 Abgeordnete im thüringischen Landtag für Bündnis 90/ Die Grünen – einer ihrer Schwerpunkte sind Strategien gegen Rechtsextremismus.